In der relativen Freiheit

Werte Kameraden und Kameradinnen,

hiermit melde ich mich nun offiziell aus der Gesinnungshaft zurück!

Auf diesem Weg möchte ich mich bei allen die mir und meiner Frau in der schweren Zeit zur Seite gestanden haben oder uns finanziell unterstützt haben, ganz herzlich bedanken.

Eure zahlreichen Briefe haben mir in der Haft Kraft und Mut gegeben. Ich hätte nie gedacht das mir so viele Kameraden und Kameradinnen zur Seite stehen. Dabei erreichten mich auch sehr viele Briefe aus dem Ausland und dies aus allen Teilen der Welt. Im geschlossenen Vollzug in Freiburg unterlag ich von Anfang an einer strengen Briefzensur. So wurden mir auch einige Zusendungen nicht ausgehändigt und hin und wieder mal auch ein Brief zurückgehalten, wenn er vermutliche Straftaten enthielt. Es waren wirklich hunderte von Briefen und Karten, welche in dieser Zeit hin und her gesendet wurden. Ich habe auf jeden Brief geantwortet, sofern eine Absenderadresse enthalten war. Wie mir zu Ohren kam, blieben auch nicht wenige Briefe dabei auf der Strecke oder sind spurlos verschwunden. Man munkelte der Sicherheitsdienst wollte mir zeitweise die Stifte beschlagnahmen, da ihnen der Aufwand des Postverkehrs zu viel wurde. Dies passierte allerdings nicht und hätte einer richterlichen Prüfung auch nicht standgehalten.

Natürlich werde auch ich nun, da ich aus der Haft zurück bin, meinen Teil zur Gemeinschaft beitragen und die Kameraden, welche sich noch in Haft befinden, weiter unterstützen. Einige Bekanntschaften entstanden erst hinter den Mauern, andere gab es schon vorher.

In den letzten Monaten vor der Entlassung im Freigang wurden die Briefe dann weniger, da man als Freigänger über sein Mobiltelefon verfügen darf und auch das Internet uneingeschränkt nutzen konnte. So wurde der Weg der Kommunikation größtenteils wieder digitaler.

Natürlich möchte ich euch auch folgendes nicht vorenthalten, was die Kameraden schon wissen mit denen ich regelmäßig in Kontakt stand. Im Beschluss zur Entlassung ließ es sich das OLG Stuttgart und die Bundesanwaltschaft nicht nehmen, mir Gesprächstermine mit Konex aufzuerlegen.

Dabei wäre es vollkommen egal gewesen, ob ich die zwei Drittel annehme oder die Strafe bis zum Ende abgesessen hätte. Nach der Zeit wäre ich in den zweifelhaften Genuss der Führungsaufsicht gekommen und hätte eben wieder diese Auflage erhalten. Bei meiner Anhörung machte ich insgesamt fünf mal klar (so oft wurde ich auf Konex angesprochen), das ich keinen Sinn darin sehe und auch kein Interesse daran habe. Ebenfalls werde ich auch weiterhin Kontakte zu Personen pflegen, die das Gericht als rechtsextrem oder rechtsradikal bezeichnen würde. Selbst die JVA riet in ihrer abschließenden Stellungnahme von dieser Auflage ab, da ich schon während der Haftzeit sämtlichen „Angebote“ in diese Richtung verweigert habe.

Es ist also vollkommen klar, was diese Auflage nun bezwecken soll. Ich sprach mit einigen Kameraden darüber, bevor dieser Beschluss rechtskräftig wurde und alle, inkl. der GefangenenHilfe, rieten mir dazu den Beschluss anzunehmen. Da es bisher noch keinen Termin mit Konex gab, kann ich darüber noch nicht weiter berichten. Ich werde jedenfalls dieser Auflage nachkommen und dem System keinen Angriffspunkt dafür bieten.

Ich freue mich schon darauf einige nun bald wieder persönlich treffen zu können. Bleibt standhaft, stabil und wachsam in Zeiten des linken Terrors.

Mit kameradschaftlichen Grüßen,
Ralph

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